Lhasa 

Liveticker -Reisebericht: 

Samstag, 08.09.2012

Warum bedeutet Fliegen eigentlich immer Stress? Oder liegt es daran, dass wir jedes Jahr zur gleichen Zeit in unseren Urlaub starten und immer dann Streiktime ist? Unseren Transferflug von Berlin nach Frankfurt hatten wir über die Lufthansa gebucht. Weshalb die letzten beiden Tage vor Urlaubsbeginn etwas hektisch und unentspannt wurden – Alternativflüge raussuchen (ab 550,00 EUR) oder Umstieg auf die Bahn (5 Stunden eher Aufbruch als Fliegen). Aber das Universum hatte ein Einsehen. Der Flieger hob pünktlich um 18.30 Uhr ab und landete 19.20 Uhr in Frankfurt.

Bordingtime für den Langstreckenflieger Ethihad war 22.00 Uhr. Mit leichter Verspätung – statt 22.25 Uhr flogen wir 23.00 Uhr los und landeten in Abu Dabi nach unserer Zeit 4.30 Uhr – Ortszeit 6.30 Uhr. Schwierig war die Flugkonstellation von Anfang an. Innerhalb der 6 Stunden Flug wurde das Abendessen serviert und die erste Mütze Schlaf war zu nehmen – ca. 4 Stunden.

 

Sonntag, 09.09.2012

Im Landeanflug auf Abu Dabi konnte man die Stadt in ihrer Struktur und Ausbreitung bewundern. Vor allem aber haben wir das Erste mal eine Wüstenstadt gesehen. Man suchte vergeblich die grüne Umgebung. Die Wüste war – wie zumeist – nicht aus schönem hellen Sand sondern aus beige-braun-grauem Sand. Die Stadt war auf dem Reißbrett entstanden und man konnte die geraden, wie endlos in Wüste laufenden Straßen verfolgen, an deren Ende ein Knäuel von Häusern aus dem Sand gestampft worden waren. Ein ausgesprochen surreal wirkender Anblick...

Der Anschlußflug von Abu Dabi nach Chengdu (China, Region Sichuan = Südchina) war ein Tagesflug. 7.45 Uhr Bordingtime, 8.30 Uhr losfliegen, 7 Stunden Flugzeit plus 4 Stunden Zeitverschiebung = mit Verspätung 20.15 Uhr gelandet. Im Tagesflug gab es noch einmal 2 Stunden Schlaf – wir wollten ja in den neuen Tagesrhythmus finden und nachts schlafen können. Es gilt 6 Stunden Zeitunterschied für ganz China. Es ist die sogenannte Pekingzeit, die trotz der Ausdehnung des Landes zentral für alle Regionen eingeführt worden ist.

Wir waren schon sehr gerädert bei der Ankunft in Chengdu. Nach Transfer vom Flughafen wurden wir im Bus in ein Restaurant zum Essen (22.00 Uhr) gefahren. Es war ein echtes Deja vu mit „Ni hao“ (= Hallo), Sitzen an runden Tischen mit Drehplatte in der Mitte, scharfem Essen (typische Landesküche), die ungelenke Art der Chinesen mit ihrem lauten Palaber –wir kamen uns vor, wie auf unser Chinarundreise 2009… damals hatten wir hier die Pandabärenaufzucht besucht…

Beim Abendessen wurde der weitere Verlauf verkündet: nach dem Einchecken im Hotel gegen 23.30 Uhr hatte man 1 Stunde Zeit zum Umpacken von Kleidung und Hygiene für eine Nacht aus dem Koffer, da diese um 0.30 Uhr abgeholt und zum Flughafen gebracht wurden. Der ganze Zauber, da – Überraschung – wir um 5.30 Uhr vom Hotel abgeholt wurden für den Flug um 7.30 Uhr. Das hieß im Schnelldurchlauf duschen, umpacken, alles bereit legen und ab ins Körbchen = schnell und heftig schlafen, um genau zu sein 4,5 Stunden. So eine Planung nenne ich grobkörnig… Nebenbei haben wir uns am Geldautomaten schnell noch mit Geld eingedeckt: 2.500 Y, bei einem Kurs von 1:8 also ca. 300 EUR für den Anfang.

  

      

Abendessen im chinesischen Restaurant

 

Lobby unseres Hotels

 

unser kuscheliges Hotelzimmer

 

Montag, 10.09.2012

5.15 Uhr versammelten wir uns alle in der Lobby – mehr oder weniger blaß und müde. Das Zimmer hatten wir alle genossen – Comfort und schöne, große Betten – eben nur zu kurz. Da man uns zu dieser Zeit noch kein Frühstück bereiten konnte, hatte man für uns Frühstückspakete vorbereitet. Wir kannten dies bereits aus der ersten Chinareise. Das traumhafte Hotel in Hongkong, das ein unglaubliches Frühstücksbuffet hatte, gab uns ein Frühstückspacket mit, das jeder Beschreibung spottete. Genauso war es diesmal: 1 Scheibe labbrigen Toast, 1 kleine Scheibe Brot (oder so ähnlich), 1 Scheibe Kuchen, 1 Schreibe Formfleisch, 1 gekochtes Ei, 1 Joghurt (Trinkjoghurt), 1 kleine Flasche Wasser. Das Ganze war im Bus zu vertilgen, da Essen und Trinken natürlich nicht durch die Sicherheitsschleuse darf. Insgesamt ging der Sicherheitscheck erstaunlich entspannt von Statten. Wahrscheinlich waren die Security-Chinesen auch noch müde… Bordingtime 7.00 Uhr, Abflug 7.45 Uhr, Ankunft 10.00 Uhr Lhasa Airport – ein niedlich wirkender Flughafen. Über das Bordessen möchte ich nicht sprechen – es war noch schlechter als bei uns. Während des Landeanflugs hätten wir zu gern auch einen Blick auf den Himalaya erhascht, da aber die Fensterplätze – wie üblich - fest in chinesischer Hand waren und der Kopf eines Chinesen genau das Bullauge ausfüllt (alles meins!), blieb leider nicht mehr viel für uns übrig. Wir hoffen auf gute Plätze beim Abflug aus Kathmandu…

Lhasa, die „Stadt der Götter“, liegt 3.658 m über dem Meeresspiegel am Kyi Chu (Glücksfluss) und ist seit alters religiöses, politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum Tibets. In Lhasa wurden wir von unserem örtlichen Reiseführer Tupten begrüßt. In Tibet werden alle Gäste mit einem Schal Katah begrüßt, mit dem die Tibeter ihren Gästen Glück wünschen.

  

      

Lhasa Airport

 

flauschiger Bus

 

Manfred übermüdet mit Katah

 

Auf dem Weg vom Flughafen zum Hotel in Lhasa-Altstadt besichtigten wir unser erstes Kloster: Gongkar Chöde. Es war ein überwältigender erster Eindruck, was uns kulturell und spirituell die nächsten Tag erwarten wird. Aufnahmefähig waren wir sehr begrenzt, da uns die Müdigkeit kräftig in den Knochen steckte.

 

      

Eingang des Klosters Gongkar Chöde

 

Versammlungshalle, rezitierende Mönche

 

Blick vom Dach des Klosters

 

Im Anschluss daran durften wir in unser ***- Hotel „Dhood Gu Hotel“ einchecken. Das Hotel zählt zu den Besten der Stadt. Da Studiosus für sehr gute Reisequalität in jeder Hinsicht steht und wir echte Comfort-Touristen sind, ist gerade bei solchen Reisen eine sehr gute Unterbringung die halbe Miete. Das Hotel ist ein echt tibetisches Hotel. Man hat das Gefühl, es besteht nur aus Wandmalereien, geschnitzten Holzarbeiten (Säulen, Bett, Tisch, Stühle, Türrahmen etc.) sowie bunten Farben. Wir haben uns ein größeres Zimmer gegönnt, um Platz für die Koffer und eine angenehme Sitzgelegenheit zu haben – und bekamen ein Zimmer mit Blick auf die Gebirgszüge. Sehr schön! Die Dachterrasse hat einen atemberaubenden Ausblick über die Dächer der Altstadt auf den Potala-Palast. Zu jeder Tageszeit wird der Potala in ein anderes Licht getaucht… 

 

  

Hoteleingang

 

unser Zimmer...

 

...ein Zimmer mit Aussicht...

 

Lhasa als Hauptstadt von Tibet dürfte über die besten Hotels des Landes verfügen. Relativ stabile Stromversorgung, fließend Wasser und europäische Toiletten sind hier vorhanden. Über eine Heizung verfügt man im Land generell nicht. Aktuell gehen die Temperaturen nachts auf 10 Grad. Wem das zu kalt ist, der muss sich mit Überdecken und Kleidung behelfen. Das fließende Wasser bezieht sich vornehmlich auf kaltes Wasser. Angabe gemäß hat unser Hotel 24h heißes Wasser - in der Wirklichkeit 5.00 - 7.30 Uhr morgens und 19.00 – 21.30 Uhr abends (wenn man Glück hat). Wenn man noch mehr Glück hat, ist es auch richtig warm und nicht nur lauwarm. Der Wasserdruck reicht zum Duschen - zum Waschen meiner Haare auf keinen Fall. Das Problem wäre noch zu lösen. Die Strom- und Wasserversorgung wird, je weiter man sich von den Städten entfernt, immer schwieriger – bis zu Stromausfällen und kein fließend Wasser. Das Verarbeiten von Materialien, Rohren und ahnlichem erinnert eher an das spanische Vorbild. So, nun aber weiter!

Nach dem Mittagessen im Hotel (es gab indisch, naja…): Freizeit!!! Im Reiseprogramm wurde extra darauf hingewiesen, dass wir unsere Neugier zügeln und der Akklimatisierung Platz lassen sollten. Das fiel natürlich schwer, insbesondere da man im Hotelzimmer schlicht ins Bett gefallen wäre und bis zum Abend durchgeschlafen hätte. Um dies zu vermeiden haben wir uns – auch wenn es uns verdammt schwer fiel – für eine leichte Bewegungseinheit entschieden. Da sich unser Hotel direkt in der Altstadt an einer der Einkaufs- und Verkehrshauptadern befindet, sind wir in eine Richtung spaziert und haben unsere rausgesuchten Punkte angesteuert. Der Bookshop erwies sich als sehr klein und von Coffeeshopatmosphäre keine Spur. Aber bei genauerem Hinsehen gab es interessante (kleinere) Bildbände mit englischen Textpassagen von den Klöstern, in denen nur sehr eingeschränkt und unter sehr schwierigen Lichtverhältnissen fotografiert werden kann. Interessant – gemerkt und weitergelaufen. Der Supermarkt war okay. Wir haben die Vielzahl an Wasserflaschen dann doch lieber in unmittelbarer Nachbarschaft bei kleinen Kiosken gekauft (2 l = 5 Y = 0,65 EUR). Die Suche nach der Blind man Massage Clinic verlief erfolglos. Aber vorher hatten wir schon ein anderes Tibetan blind man Massage Studio gesehen (Wie viele Blinde gibt es hier eigentlich?). Spontan sind wir die Treppen hoch bis in den 2. Stock, wo wir fast zusammengebrochen wären vor lauter Atemnot. Für 150 Y (= 19,00 EUR) wurden wir eine Stunde lang mit Öl durchgeknetet. Es war sehr gut gegen die Verspannungen von der langen Flugzeit und gegen den beginnenden Kopfdruck aufgrund der Höhe. Das Massagestudio war etwas gewöhnungsbedürftig: man lief auf Teppichen, deren letzte Reinigung unbekannt ist, legte sich auf Handtücher und wird mit Decken zugedeckt, die (hoffentlich) einmal am Tag gewechselt werden. Zurück im Hotel haben wir uns auf der Dachterrasse des Hotels einen Cappuccino gegönnt. Auf der Straße war das Meiste sehr, sehr günstig. In Hotels und alles was stark touristenfrequentiert war,be merkten wir einen deutlichen Preisanstieg, so auch die Getränke im Hotel. Den Cappuccino für 35 Y (= 4,40 EUR) nenne ich einen Fünf-Sterne-Kaffee, was Manfred nur kurz quittierte: „War er schließlich auch. Meine Kopfschmerzen sind weg!“. 

 

  

auch müde kann man shoppen...

 

Straßenansicht

 

tibetische Häuserfront

 

Das Abendessen haben wir im Hotel eingenommen – mit Blick auf den beleuchteten Potala! Es gab tibetisch – gewöhnungsbedürftig, aber auch sehr leckere Sachen dabei. Yak-Fleisch und (Yak-)Buttertee haben wir auch probiert, aber dazu später. Die meisten klagten dann doch über Kopfschmerzen – kein Wunder bei der Übermüdung und Höhe. 

 

  

Essen in unserem Hotelrestaurant

 

Blick von der Hotelterrasse mit Potala

 

Potala by night

 

Wir lagen um 22.00 Uhr im Bett, Aufstehen kurz nach 7.00 Uhr. Leider konnten wir den Schlaf nicht aufholen, da die Nacht sehr unruhig war. Natürlich lag es auch an der ungewohnten Umgebung aber maßgeblich an der Höhe und dem damit verbunden unregelmäßigen Puls, der einen dann nicht so zur Ruhe kommen läßt…

 

Dienstag, 11.09.2012

Start war 9.30 Uhr. Das ist wie ausschlafen und für den Studiosus-Zeitplan sehr ungewöhnlich. Der normale Zeitturnus bei Studiosus ist: 8.00 Uhr Koffer rausstellen, 8.30 Uhr Abfahrt. 

 Bevor es auf Sightseeingtour ging: Frühstück. In Lhasa, Gyantse (2. Halt) und Shigatse (3. Halt) kann man noch Glück haben und ein echtes Frühstückbuffet erhalten. Das hatten wir auch: Eier, Müsli, Obst, Milch, Toast, Minicroissant, Minimuffin, warme Kleinigkeiten (Pancackes, Bratkartoffeln, Bohnen, Gemüse), Marmelade, Kaffee, Tee. Hört sich gut an, war jedoch nicht nur geschmacklich eine Herausforderung – wie zu erwarten war. Außerhalb dieser Ortschaften begnügt man sich dann mit pappigem Toast, Marmelade und gebratenen vor Fett triefenden Eiern. Die Alternative wäre ein tibetisches Frühstück: eine Art Gerstenbrot (staubtrocken) zerkrümmelt in (Yak-)Buttertee aufgeweicht und verrührt. Da nimmt man lieber Toast mit schwarzem Tee und lächelt…

  

       
  

 Frühstück... lecker... ;o)

 

 

 1. Sehenswürdigkeit unserer Lhasa-Tour: Der im Zentrum der Altstadt liegende Jokhang. Das Wetter war herrlich mit ca. 20 Grad und abwechselnd wolkig und sonnig. Guter Laune und schon sehr gespannt spazierten wir durch die Altstadt zum Jokhang. Einiges auf dem Weg erkannten wir von unserem vorangegangenen Streifzug wieder. Wie unsere Gruppe tags zuvor auf unterschiedlichen Wegen Lhasa erkundete (Mitreisende hatten den Jokhang sogar schon von außen in Augenschein genommen), stelten wir doch interessanterweise alle eins fest: Die Tibeter sind gegenüber Fremden sehr offen und freundlich. Erwiderte man ihre neugierigen Blicke mit einem Lächeln, erhielt man ein strahlendes, offenes - zuweilen auch etwas schüchternes - Lächeln zurück. Von dieser Erfahrung waren wir vielleicht auch etwas überrascht, aber auf jeden Fall sehr berührt.

Der Jokhang wird eng mit der Entstehung Lhasas verbunden. Der 33. tibetische König SONGTSEN GAMPO (reg. 619 bis 649) hat einst veranlasst, das Yalungtal zu veranlassen und die Hauptstadt Tibets in das strategisch günstig liegende Lhasa-Tal zu verlegen. Bei der Ansiedlung hat es zunächst Probleme gegeben (Legenden ranken sich…), aber letztlich war das der Beginn der Sesshaftwerdung des tibetischen Volkes. Die nepalesische Gattin von König SONGTSEN GAMPO (daneben hatte er noch die chinesische Gattin) mit Namen Bhrikuti veranlasste die Gründung des Tempels durch den Bau des heute im Inneren liegenden und ältesten Tempelteils Tsuglagkhang (Bauzeit zwischen 642 und 653 von nepalesischen Baumeistern).

Er ist das wichtigste Pilgerziel des Schneelandes, Tibets Nationalheiligtum und pulsierendes Zentrum des tibetischen Buddhismus. Bevor die tibetischen Pilger die Stadt überhaupt betreten, um dorthin zu gelangen, umrunden sie die Stadt meist ein oder mehrere Male IM UHRZEIGERSINN auf dem 7 km langen, Lingkor genannten äußeren Ritualweg. Im Morgengrauen wandern sie Gebete murmelnd an zahlreichen Felsbildern, Tempeln und Grotten vorbei und drehen dabei unablässig ihre eigenen oder die am Wegrand angebrachten Gebetsmühlen. Vor dem Jokhang liegt der Marktplatz Barkor. Um den Jokhang und Barkor-Marktplatz schließt sich die gleichnamige Straße Barkor als innerer Ring, heiliger Umwandlungsweg (Kora) an. Auf dem absolvieren die Pilger eine dreimalige Umrundung IM UHRZEIGERSINN - alles Heilige wird im Uhrzeigersinn umrundet auch Räumlichkeiten, Statuen, selbst die Gebetsmühle wird rechtsherum gedreht. Die chinesischen Militärkräfte laufen absichtlich entgegengesetzt, um die Tibeter zu beleidigen. Man steht ungläubig und betäubt daneben… Der Weg ist Markt, Begegnungsstätte undheiliger Ort in einem und ein Treffpunkt der verschiedenen tibetischen Stämme. Die Stämme unterscheiden sich optisch wie in vielen anderen Kulturen durch verschiedenartige Gewänder, Farben und insbesondere den Kopfschmuck. Auch bei den Männern konnten wir teils sehr auffälligen, farbigen Haarschmuck bestaunen. Bei den Frauen kann man auch an der Menge der in das Haar eingeflochtenen Perlen und Bänder den Wohlstand der Familie ausmachen. - Den 800m langen Ritualweg gehen einige Pilger nicht zu Fuß sondern werfen sich geschützt durch Leder an Brust, Bauch und Beine der Länge nach ein ums andere Mal hin und umrunden den Barkor auf diese Weise. Diese Form des Pilgerns kannten wir bereits aus TV-Reportagen. Als wir die sich niederwerfenden Tibeter das erste Mal live sahen, standen wir vor Faszination erstarrt und mit offenem Mund da. Bei wiederholten Betrachten der Pilger vermag man die Schmerzen der Strapazen spüren. Es ist erstaunlich, wie viele Pilger in Lhasa unterwegs sind. Man könnte glauben, halb Tibet befindet sich in diesem Moment in dieser Stadt.

 

      

Barkor - Platz vor dem Jokhang

 

auf dem inneren Pilgerring (Kora)

 

Pilgerinnen mit geschmückter Haarpracht

   

Durch die steigenden Besucherzahlen in Lhasa ist auch dieser stark verschachtelt wirkende Tempel von den Besucherströmen nicht verschont. Die allgegenwärtige Spiritualität des Jokhang ist dadurch kaum noch zu spüren. Eine unglaubliche Anhäufung von Menschen quetscht sich durch die Enge der Räume. Dabei hoffen die getriebenen Touristen auf spirituelle Einblicke (oder auch Erleuchtung!?) und überwältigende Fotos und die Pilger – immer wieder geduldig wartend – schauen sich alles genau an, beten und spenden ihren Heiligen ihre Gaben. Immer wieder konnte man ganze Familien beobachten, die scheinbar alle zusammen nach Lhasa gepilgert waren – oftmals auch junge Mütter mit ihren Babys im Tragetuch aber auch (oder sollte ich insbesondere sagen?) Alte und Kranke, die unterstützend begleitet wurden. Der Anblick der tiefreligiösen Tibeter rührte mich sehr und die Begebenheiten, die sich hier und da am Rand abspielten und wie Mosaike nicht erzählter Geschichten aufblitzten, fesselten mich zunehmend. Die Gaben der Pilger sind neben Geld und Katah gewöhnlich auch Kerzenwachs (früher für die „Butterkerzen“ Yakbutter, die aber aktuell teurer als Kerzenwachs ist), das flüssig in Thermoskannen oder fest in Plastiktütchen mit Löffelchen - üblicherweise an kleinen Ständen vor dem Tempel gekauft - mitgebracht und in die Kerzengefäße vor ihren Heiligen gegeben wird. Die Kerzen würden bei diesen Mengen an „Wachsgaben“ alsbald überlaufen. Mönche schöpfen die Mengen ab, schaffen sie in Nebengelasse, wo sie für die weitere Wiederverwendung (auch Verkauf) abgefüllt werden.

Das Herzstück des Tempels ist der bereits genannte Tsuglagkhang, der aus einem großen Versammlungssaal besteht um den ringsherum Kapellen angeordnet sind, in denen verschiedenen Skulpturen (Gottheiten, Buddhas…) verehrt werden. In den Obergeschossen befinden sich weitere Kapellen und Meditationsräume. Über Stiegen (wie das Wort verrät: schmal und steil!) erreicht man das Dach. Von dort eröffnet sich ein sensationeller Blick auf den Jokhang selbst, die umliegenden Plätze, Straßen und Gassen mit buntem Treiben und die Gebirgszüge des Hochlandes, die Lhasa umschließen.

 

      

sich niederwerfende Pilger

 

Innenhof des Jokhang

 

Blick vom Dach auf denJokhang

 

Anschließend ging es in einen obligatorischen Tibertan Culture Shop. Hier wurden Ketten, Schmucksteine (besonders beliebt in Tibet: Ketten aus Bernstein, Koralle und Türkise hinsichtlich ihrer Schutzfunktionen), Bücher, CD’s, Gebetsmühlen, Thankas (auf bunten Seidenstoffen geklebte Rollbilder mit buddhistischen Inhalten) und einiges mehr angeboten. Es wird zwar immer wieder die Qualität und die Herstellung ausschließlich durch Einheimische betont, letztlich bleibt nur Glauben bei beachtlichen Preisen. Der Eine oder Andere findet aber dann doch immer noch etwas für sich :o) Im Anschluss daran waren wir zum Mittagessen in einem tibetischen Restaurant „Lhasa Kitchen“. Das Essen war eine europäisierte Tibetküche. Es gab Reis, Gemüse (Spinat, Sojasprossen) und Fleischgericht – vornehmlich vom Yak und einiges pikant gewürzt. Nach dem stärkenden Mahl hieß es wieder: Einsteigen in den Bus!

2. Besichtigungshighlight des Tages: 8 km westlich vom Zentrum Lhasas breitet sich am Fuß eines 5.600m hohen Bergrückens der weitläufige Klosterkomplex Drepung aus. Wir stiegen am Fuße des Berges aus, liefen eine breite Dorfstraße entlang und ab dem Ende der Straße hieß es: Höhe meistern. Ein breiter Fußweg mit Treppenabsätzen führte zum Kloster bergauf. Wir quälten uns empor - schnappten wie Fische, keuchten wie Walrösser und krochen wie Schnecken. Ein ernsthafter Fall von Atemknappheit und Pulsrasen! Mit einem gemütlichen Tempo bezwingt man die Steigerung halbwegs unbeschadet, aber es ist ein echter Kampf. So extrem hatten wir uns das nicht vorgestellt. Den Weg säumten unzählige Gebetsmühlen zum Drehen. Eine echte Verführung…

 

      

unser Aufstieg

 

die großen Gebetsmühlen zum Drehen...

 

Buddhabildnis am Wegesrand

 

Drepung wurde früher als eine der „drei Säulen des Staates“ („drei Säulen der gelben Kirche“) genannt, da dort die Mönchselite für ganz Tibet ausgebildet wurde und innerhalb des Staatsapparates über wichtige Befugnisse, Rechte und Pflichten verfügte. In seiner Hochzeit war es Heimstatt für über 10.000 Mönche davon 400 hochgelehrte Mönche und 50 Lamas mit vier Fakultäten. Zudem war es der ehemalige Sitz des bedeutenden 5. Dalai Lamas, der später den Potala-Palast ausbaute und dorthin umzog. Zwar wurde der Klosterkomplex während der Kulturrevolution kaum zerstört, jedoch ist der Klosterkomplex heute ein Schatten seiner selbst als Ergebnis der langjährigen Entwicklung im Land.

Wir besichtigten die Versammlungshalle –natürlich- , verschiedene Altäre und Kapellen und die Klosterküche ;o) Foto – nur gegen Bezahhlung…

 

      

Kloster Drepung

 

eine Stiege zum Dach gibt es immer...

 

der Blick von oben

 

Zurück in Lhasa gingen wir auf Shopping-Tour: Souvenirs. Bücher, Ketten und vieles mehr warteten auf uns. Im Guxiuna Bookstore, dem wir am Vortag bereits einen Besuch abstatteten, haben wir sehr schöne Bildbände erworben. Auf den Märkten muss fleißig gehandelt werden. Dabei gilt: Je preiswerter die Ware, desto mehr Verhandlungsspielraum; je teurer die Ware, desto geringer der Spielraum. Wir haben meist 40% des Preises geboten und waren schließlich bei 50-67% des ursprünglichen Preises. Manfred hat eine wahre Freude am Handeln entwickelt. Wir Frauen haben uns über die Ausbeute zum guten Preis gefreut :o))) Alles was man aus Tibet an Erinnerungsstücken nach Hause nehmen möchte, sollte man möglichst in Lhasa kaufen. Außerhalb Lhasas wird das Angebot sehr mickrig.

 

      

Souvenirstände

 

im Getümmel

 

shoppen, shoppen, shoppen

 

Guter Dinge gingen wir zum Abendessen. In einem (anderen) Hotelrestaurant erwartete uns chinesisches Essen. Was das sollte, war uns ein Rätsel… Auf dem Studiosus-Programm stand ein Barbesuch mit Blick auf das Barkorplatzreiben. Das übersprang unser Reiseleiter beflissen. Da wir ohne Reiseführer zum Essen gegangen waren, blieb uns nur ein Bummel über den Platz in der Hoffnung, wir würden eine nette Bar erspähen. Wir hatten kein Glück. Zurück im Hotel hieß es noch schnell etwas Wäsche durchdrücken als Vorbereitung für die kommende „Dürrezeit“. Manfred versuchte sich im Belesen zum Thema Buddhismus. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich Warten – er schlief ein. Das sollte nicht das letzte Mal sein… Kurz nach 22.00 Uhr gingen bei uns die Lichter aus. Todmüde streckten wir uns darnieder. Leider blieb der erhoffte Schlaf über die gesamte Nacht aus. Wir wurden immer wieder wach und hatten Probleme beim Einschlafen. Ansonsten hatten wir keinerlei Beschwerden oder Einschränkungen.

 

Mittwoch, 12.09.2012

8.45 Uhr starteten wir zur Besichtigung des Potala-Palastes. Es war herrlichstes Wetter (bis 25 Grad) und überwiegend sonnig! Der Winterpalast des Dalai Lama, in dem dieser mit einem Gefolge von 500 Lamas lebte, erhebt sich auf dem Roten Berg (Marporil) und erscheint als Manifestation einer uns unbegreiflichen Welt: der des mystischen, tantrischen Buddhismus, der sich hier ein unvergessliches Denkmal schuf. Der „Große Fünfte“ Dalai Lama, der Begründer der Theokratie der Gelupa (=Gelbmützen mit Dalai Lama als Oberhaupt; eine der vier Schulen des Buddhismus), begann 1643 mit dem Bau des Palastes, dessen Vorderfront etwa 360 m lang ist. Im Inneren tragen 1.500 Säulen die Decken der über 750, angeblich sogar 999 Hallen. Die in der grellen Sonne funkelnden Golddächer überragen die Stadt um 120 m. Die Teile des Palastes, die weiß getüncht sind, dienten säkularen Zwecken und beherbergten in erster Linie Verwaltungsräume und Lager. Der oben auf dem den Weißen Palast aufgesetzte dreizehnstöckige Rote Palast im Zentrum hatte eine religiöse Funktion und beherbergte die Wohnräume des Dalai Lama, Versammlungshallen und zahllose Lhakhang mit den prachtvollen Reliquienschreinen der Dalai Lamas, wertvolle Statuen und unzählige Schriften. Der Palast gilt als Höhepunkt der tibetischen Baukunst. Der Geist des Dalai Lamas sowie die buddhistische Spiritualität lebt in diesem furiosen Bauwerk, was zu einem Museum ohne Leben geworden ist, nicht mehr fort. Trotzdem hinterlässt ein Besuch hier immer wieder einen tiefen Eindruck.

 

      

Gebetsmühlen am Wegesrand

 

anstellen ... aber nicht abdrängeln lassen

 

am Fuße des Aufstiegs

 

Die Eintrittskarten für den Potala müssen rechtzeitig besorgt werden. Die Reiseleitung kann vorab nie sagen, für welchen Einlasstermin diese zugeteilt werden. Wir hatten Glück und erhielten für den frühen Vormittag eine Führung. Um 9.00 Uhr waren wir vor Ort und begaben uns zum Gruppeneingang. Dort angekommen gesellten wir uns zur Schlange und versuchten uns nicht wieder von drängelnden Chinesen den Rang ablaufen zu lassen. Die Zeit des Wartens verstrich flugs, gab es doch immer wieder etwas Interessantes wie tibetische Pilger, das Alltagleben, chinesisches Gruppenverhalten zu beobachten. Nach dem Passieren der Eingangskontrolle durchliefen wir die Sicherheitskontrolle, bei der wie auf Flughäfen das gesamte Gepäck und die Bekleidung durchleuchtet werden. Im Anschluss daran machten wir uns auf einen atemberaubenden Aufstieg (im wahrsten Sinne des Wortes) gefasst. 125 Stufen führen vom Zentraleingang zum östlichen Eingang, der wiederum zum Klosterhof führt. Vor diesen Stufen hatte jeder von uns den reinsten Horror. Nachdem wir am Vortag diesen kräftezehrenden Aufstieg zum Kloster Drepung hinter uns gebracht hatten, fragten wir uns schon, wie wir da unbeschadet hoch kommen sollten. Aber wir waren einen Tag weiter in der Akklimatisierung und die Erfahrung vom Vortag zeigte, dass sich jeder seine Kräfte und Atem genau einteilte. Wir konnten stolz auf uns sein: Jeder hat den Aufstieg geschafft. Nach 20 min. standen wir im Innenhof.

  

      

der Aufstieg beginnt

 

den Aufstieg von oben betrachtet

 

Systematmung

 

      

Wandmalerei

 

angekommen im Vorhof

 

im Innenhof

 

Angekommen auf dem Innenhof kann man sehr schöne Bildbände vom Potalapalast erwerben (was wir als solide Touristen natürlich getan haben ;o) ). Fotografieren war gänzlich verboten. Für die Führung stehen den Gruppen 60 Minuten zur Verfügung. Das Überziehen der Besichtigungszeit wird durch Bußgelder gegen die Agentur vor Ort hart bestraft. Demgemäß konnten während der Besichtigung keine Übersetzung und weiterführende Erläuterungen erfolgen und uns blieben nur die englischen Erläuterungen unseres tibetischen Reiseleiters Tupten... Von nun an bis wir wieder unten ankommen gab es zudem keinerlei Möglichkeit eines Toilettenbesuchs! 10.30 Uhr begann unsere Führung. Im Inneren des Palastes kann man lediglich 20 Räume bzw. Hallen besichtigen, die über weitere 225 Stufen zu erreichen sind. Diese zurückzulegen war natürlich anstrengend, aber es ging insgesamt erstaunlich gut. Die Besichtigung startet somit am zugelassenen höchsten Punkt (vorletzte Etage des Roten Palastes) und führt durch die Räume nach unten. Der Palast ist unglaublich verwinkelt. Die Privatgemächer des 13. und 14. Dalai Lamas waren zu besichtigen. Die Räume waren so kuschelig klein und alles mit bunten Stoffen und Teppichen ausgekleidet, dass man sich vorkam wie in einer Puppenstube – unglaublich gemütlich und anheimelnd. Die unzähligen Kapellen mit den unzähligen Skulpturen, die anschließend besichtigt wurden, überforderten uns, da die buddhistische Lehre für uns fremd- und neuartig ist. Wir verließen den Palast und – waren sehr beeindruckt von dieser Fülle, die jeder von uns für sich erst einmal nachbearbeiten muss. Der Weg abwärts entwickelte sich in einen ansteckenden Fotowettstreit. Der fesselnde Anblick aufwärts zum Potala-Palast und abwärts über Lhasa schrien schlicht danach, aus jedem möglichen Blickwinkel abgelichtet zu werden. Von dort oben konnten man sehr gut sehen, welche Ausmaße das "neue" Lhasa durch die immensen Bauaktivitäten der Chinesen mittlerweile hat. Von einem Platz gegenüber dem Roten Berg hatten wir anschließend noch die Möglichkeit, traumhafte Postkartenfotos vom Potala auf unsere Mikrochips zu bannen. Wie schön…

 

      

Blick hinauf zum Potala

 

Blick ins Lhasatal

 

Postkartenfoto

 

Im Anschluss daran besuchten wir eine Klinik für tibetische Heilkunst, in der uns der Klinikdirektor in die theoretischen Grundregeln der tibetischen Heilkunst einführte. Er hielt einen 30-minütigen Vortrag auf sehr gutem Englisch. Bedauerlicherweise waren wir ziemlich erschöpft und hatten schlicht Hunger, so dass die Aufmerksamkeit bei dem einen oder anderen Mitreisenden in einem kurzen Nickerchen endete…

13.00 Uhr Mittagessen im Hotel: tibetisches Buffet. Im Anschluss daran Freizeit bis 14.30 Uhr. Wir entschlossen uns, kein Mittagsschläfchen zu machen. Stattdessen setzten wir uns auf die Dachterrasse des Hotels in die Sonne mit Blick auf den Potala und nahmen einen Fünf-Sterne-Cappuccino, plauschten, Manfred las im Reiseführer und ich schrieb meinen Reisebericht weiter.

Am Nachmittag fuhren wir in die Klosterstadt Sera. Sie liegt 5 km nördlich von Lhasa und zählt zu der mit am besten erhaltenen Klosteranlage Tibets und ist die jüngste unter den „drei Säulen der Gelben Kirche“ (zusammen mit Drepung s.o. und Ganden). Von den rund 6.000 Klöstern in Tibet wurden während der Kulturrevolution nur 16 verschont. Inzwischen werden wieder 3.000 Klöster bewirtschaftet jedoch immer in Abhängigkeit vom Wohlgefallen der Staatsmacht. Von einst 6.600 Mönchen leben heute noch 800 in Sera. Sera wurde 1419 von Sakya Yeshe gegründet, der dreimal am Hofe des Ming-Kaisers weilte und ein recht enges Verhältnis aufbaute, das bis zum 17. Jh. fortbestand und auch heute noch spürbar ist. Bekannt war Sera für seine drei Klosteruniversitäten. In seiner Blütezeit hatte Sera fünf Fakultäten, die alle ihre eigenen Versammlungshallen und Quartiere hatten. Dadurch konnten diese Klöster zu regelrechten Städten anwachsen, die nur nach außen einen homogenen Eindruck erweckten, während die einzelnen Fakultäten wirtschaftlich voneinander autonom waren und nicht immer miteinander harmonierten (Lehrauslegung).

Wir besichtigten u.a. die beeindruckende Haupthalle der Sera Je Fakultät mit großen, hängenden Thankas sowie zahlreiche Chörten, die die sterblichen Überreste wichtiger Lamas des Klosters enthalten. Wunderschön waren auch die zu besichtigen Sandmandalas – religiöse Bildnisse, die mit buntem Sand von mehreren Mönchen innerhalb von drei bis sieben Monaten für ein religiöses Fest „gemalt“ werden. Elementar von Sandmandalas ist dabei das nach dem Fest stattfindende Wegwischen der entstandenen Werke. Das soll die Vergänglichkeit des Lebens und das Ideal von Entbindung der materiellen Welt symbolisieren.

Erfreulicherweise war es in dem Kloster gestattet, dem Treiben der Mönche im Debattierhof beizuwohnen. Hier üben die Mönche – meistens zwischen 15.00 und 17.00 Uhr – die Kunst des philosophischen Argumentierens und Debattierens. Sie bekommen dazu von ihrem Lama im Unterricht zunächst einen Text erläutert, den sie im Anschluss auswendig lernen. Damit es nicht beim sturen Auswendiglernen bleibt, sondern die Mönche das Gelernte auch verstehen und aktiv anwenden können, müssen sie im Anschluss daran beim Debattieren beweisen, dass sie den tieferen Sinn der Texte wirklich erfasst haben. Die auf dem Boden sitzenden Mönche sind die „Verteidiger“, die stehenden Mönche stellen die Fragen und sind damit die Herausforderer. Die Aufgabe für beide Seiten ist es, die Argumente des jeweiligen Gegners zu entkräften und ihn in Widersprüche zu verwickeln. Wem das zuerst gelingt, der hat gewonnen. Um ihre Argumente zu bekräftigen, klatschen die Mönche laut in die Hände, stampfen mit den Füßen und schreien dem Kontrahenten ins Gesicht, in der Absicht ihn zu irritieren und von seiner Argumentationslinie abzubringen. - Während wir dieses interessante Schauspiel beobachteten, fiel wieder einmal ein Mönch mit Handy in mein Blickfeld. Konnte es sein, dass ausgerechnet die sich jahrhundertelang unverändert kleidenden, beinahe altertümlich anmutenden Mönche in der Moderne angekommen sind? Sie sind! Sie nutzen Handys, tragen Turnschuhe, fahren Auto, essen in Restaurants und führen ein Wirtschaftsunternehmen... Das den Heiligen gespendete, zu Füßen gelegte Geld der Pilger wird regelmäßig von den Mönchen eingesammelt und nur Scheine mit geringstem Wert als „Animation“ belassen. Wir konnten einmal einen Mönch beim Zählen der Geldmassen beobachten – Klöster sind Wirtschaftsunternehmen!

 

      

Eingang zum Kloster Sera

 

alles Sand

 

debattierende Mönche

 

Am frühen Abend nutzten wir unsere Freizeit, um noch ein paar Souvenirs einzukaufen. Auf der Suche nach Gebetsketten, Gebetsmühlen und Rollbildern ließen wir eine beachtliche Strecke hinter uns. Trotz einer kleinen, entspannenden Pause waren wir etwas ermattet, als wir abends zum Restaurant aufbrachen. Der Weg führte uns (nochmals!) durch das moslimische Viertel in der Altstadt Lhasas. Ursprünglich wollten wir an diesem Abend allein essen gehen, aber es wurde ein interessantes Abendessen angekündigt: tibetischer Feuertopf. Eigentlich wie bei uns: In einem beheizten Messingtopf wird eine Brühe erhitzt und darin Pilze (Shiitake), Reisnudeln, Pak choi, Schweinefleisch, Möhren gegart. Dazu gab es „Kartoffelsalat“ mit Chili, Momos mit Yakfleisch gefüllt (Hefeteigtaschen), Spinat und anderes Gemüse sowie verschiedene Soßen zum Würzen. Es war ausgesprochen unterhaltsam und lecker, nur die Momos waren mit Yak-Opafleisch gefüllt und haben bei mir nicht den Weg in den Magen gefunden! Im Anschluss daran ging es wieder 20 Minuten im Fußmarsch zurück ins Hotel.

 

 

   

   

im moslimischen Viertel

 

im tibetischen Restaurant

 

tibetischer Feuertopf

 

Nun hieß Abschied nehmen. Das taten wir bei einem Lhasa-Bier (Ausnahmsweise!) und einen ausgiebigen Blick auf den beleuchteten Potala… In der Hotellobby sitzend rang ich anschließend mit WLAN und Strato um die Veröffentlichung des ersten Teils meines Reiseberichts. Als wir später mit Koffer packen fertig waren, zeigte die Uhr bereits nach 23.00 Uhr an… Die Nacht war leider wieder nicht so erholsam. Mehrmals wach geworden und unruhig geschlafen. Und – da hat mich doch in der Nacht eine Mücke zweimal gestochen!!! Ich dachte in der Höhe gibt es keine Mücken mehr – Flug- und Atemschwierigkeiten ;o)